Feldforschung 1: IKEA Katalogevent in Hamburg

Während meiner Recherchen zum Thema DIY, veranstaltete IKEA mehrere Events in Deutschlands Metropolen. Zum einen lud das Einrichtungshaus zum Katalogevent ein, zum anderen war es mir möglich, zwei der Interior-Designerinnen in Hamburg-Moorfleet anlässlich der neuen Kollektion (2017/18) zu treffen.

Da sich das Mariann-Steegmann-Institut. Kunst & Gender, an dem ich vergangenen Sommer ein Praktikum machen durfte, bereits 2014/15 mit IKEA, insbesondere dem Katalog, auseinandergesetzt hat, knüpfe ich 2017/18 nun daran an und schaue, ob DIY auch bei IKEA präsent ist und wenn ja, auf welche Weise.

Am 18.08.2017 stehe ich um 11:45 vor den Toren der Hanseatischen Materialverarbeitung in der Stockmeyerstraße 41 in Hamburg. […] Eine Häuserschlucht behangen mit Schildern und Stoffbahnen weisen den Weg, Nieselregen lässt mich die Menschen um mich herum nur verschwommen wahrnehmen. Vor den Türen stehen bereits etwa 60 Personen, die teils in kleineren Gruppen zusammenstehen: Eltern mit kleinen Kindern auf den Schultern oder neben sich, Frauen in den Vierzigern und aufwärts, Mütter mit Töchtern im Teenager-Alter und Personen im Rentenalter. Es fällt mir auf, dass (noch?) keine Jugendlichen oder zumindest jungen Erwachsenen anwesend sind. Dies könnte daran liegen, dass gestern bereits ein Katalogevent stattfand, an dem ausschließlich die Presse und BloggerInnen teilnehmen konnten.

Alle Jahre wieder kommt ein neuer Katalog heraus und mit diesem ein solches Event. Dieses Jahr ist das erste, in dem ich zu so einem Event eingeladen bin bzw. im Allgemeinen davon höre.

Während des Wartens darauf, dass sich die Türen der Halle öffnen, höre ich den BesucherInnen zu, wie sie ihre Neugierde zum Ausdruck bringen und erste Hypothesen aufstellen, was wohl zu erwarten sei. Über unseren Köpfen hängen meterlange Stoffbahnen vom Dachvorsprung herunter, deren Muster größtenteils aus der neuen Kollektion zu sein scheinen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Aquarell-Design und verschiedenen Blautönen. Entlang der Halle erstreckt sich ein etwa 20 Meter breiter, aus siebzehn Schildern bestehender Schriftzug mit den Worten „Auf alles eingerichtet“.

Zusätzlich befinden sich noch Schilder mit entsprechenden Fakten, die auf eine repräsentative forsa-Umfrage zu „Das Leben im Wohnzimmer“ im Auftrag von IKEA im Juni 2017 zurückgreifen. Zum Beispiel hat diese Umfrage ergeben, dass 71% aller Befragten die meiste Zeit in ihrem Wohnzimmer verbringen, sofern sie wach sind, und dass in fast 9 von 10 Fällen das Wohnzimmer der größte Raum in der Wohnung bzw. im Haus ist.

Kurz vor zwölf, ich staune gerade über das Schild „Männern ist Technik im Wohnzimmer etwas wichtiger. Frauen ist Design und Stauraum wichtiger“, geht das Gedrängel los auf die vier MitarbeiterInnen, die mit Scannern in der Hand die mittlerweile etwa 120 Frauen und Männer freundlich begrüßen und versuchen, ihnen schnellstmöglich den bei der Anmeldung erhaltenen Scancode zu validieren. Dahinter wird eine große Halle ersichtlich mit Sofas, Dekoartikeln, Lampen, Teppichen, Tischen und Catering-Personal in orangenen IKEA T-Shirts. Der Raum ist sehr dunkel gehalten und es wird viel mit indirektem Licht gearbeitet. In der Mitte befinden sich hauptsächlich Sitzgelegenheiten in jeglicher Form von Hockern über Stühle, Sessel, Bänke bis Couches. Es ist wie ein großes Wohnzimmer inmitten einer industriellen Halle. Überall liegen Teppiche auf dem Boden, Kissen sind in Regalen eingeräumt oder auf den Sitzgelegenheiten deponiert und durch die verschachtelte Stellweise der Sofas in Verbindung mit der indirekten Beleuchtung, kommt eine heimelige Atmosphäre auf. Viele BersucherInnen setzen sich direkt nach Ankunft auf die Sofas, unterhalten sich angeregt mit anderen über die Produkte oder das Ambiente. An den Stirnseiten der Halle sind DIY-Stationen aufgebaut. Beide sind räumlich abgetrennt, entweder durch eine dünne Wand oder ein Bau-Absperrgitter. Allerdings fällt dies in dem Moment gar nicht bewusst auf, da Leuchtschilder den Weg hierhin weisen und somit die Neugier anregen, was sich wohl hinter der Raumtrennung befindet. An beiden DIY-Stationen können einfarbige Kissenhüllen mit verschiedenen Motiv- und Buchstabenstempeln bedruckt werden. Es gibt acht Arbeitsplätzepro Station.

Nach etwa einer halben Stunde betritt ein Mann eine kleine Bühne, die sich an der hinteren langen Seite der Halle zwischen dem Getränkestand und dem Buffet befindet. Ich kann ihn leider nicht sehen, da mir durch die gezogene Wand der DIY-Station die Sicht und auch die meiste Akustik genommen wird. Es werden durch ihn alle herzlich begrüßt und er klärt auf, dass der Schwerpunkt des diesjährigen IKEA Katalogs das Wohnzimmer sei. Außerdem waren gestern BloggerInnen und die Presse hier, die die DIY-Stationen bereits getestet und die Couches Probe gesessen haben. Daraufhin fordert er alle BesucherInnen auf, ihre Augen zu schließen und sich an das Wohnzimmer von vor 15 Jahren zurück zu erinnern. Danach dürfen alle ihre Augen wieder öffnen und sollen sich nun bewusst umschauen, was sich seither verändert hat. Mit diesen Worten zum Abschluss, wünscht er noch viel Spaß beim Katalogevent und einen guten Appetit.

Mittlerweile fällt mir auf, dass der Raum in drei Bereiche geteilt ist (Überblick s. Abb. 2). In der Mitte der Halle, und damit auch der größten Fläche, ist der Hallenboden gar nicht mehr zu sehen. Alles wurde mit Teppichen ausgelegt, die sich teils sogar überlappen. Durch verschiedene Sofa-Modelle und passende Couch-Tische werden Wohnzimmer nachgestellt. Sogar die Deko ist passend arrangiert. Allerdings ist zum Beispiel das gleiche Vasenmodell in 20-facher Ausführung an einem Ort deponiert. Das erinnert wiederum an das Einrichtungshaus. Ausgepreist sind sie allerdings nicht. Alle Barcodes, die sonst unter den IKEA Produkten zu finden ist, wurden entfernt.

An der DIY-Station frage ich nach dem Programm des Events, um dann zu erfahren, dass die DIY-Stationen das Programm seien. Zudem suche ich überall nach einem Katalog, um diesen in Ruhe auf einer der Couches durchzublättern. Allerdings wird mir mitgeteilt, dass es den Katalog erst am Ausgang bei der Garderobe gäbe. Die am Rand aufgebauten Buffett-Tische sind schön angerichtet mit Salaten, Kartoffeltalern, Lachs, Roastbeef, einer Gemüsepfanne und einigem mehr. Getränke gibt es entweder vom Catering oder gekühlte IKEA-Getränke und Club Mate aus den Kühlschränken direkt neben dem Buffett.

Bei der zweiten DIY-Station im hinteren Teil der Lagerhalle, die mit Absperrgittern eingezäunt ist, stehen zwei Tischgruppen. Hier können ebenfalls Kissenhüllen „bestempelt“ und an der Station nebenan Kissenhüllen mit den neuen Stoffen, die vor der Halle in langen Stoffbahnen von den Dächern herunterhängen, selber genäht werden. Vier verschiedene Stoffe und vier Nähmaschinen stehen zur Auswahl. Zusätzlich steht ein Instructor zur Verfügung, der jeder TeilnehmerIn seine Hilfe anbietet.

Nebenan ist eine Fotobox, bei der man sich vor einem Green Screen positionieren kann. Das entstandene Foto kann dann in einanderes Bild eingefügt werden. IKEA hat hier das Cover des neuen Kataloges genommen und durch den Green Screen so aussehen lassen, als würden die Fotografierten auf der gelben Couch des Titelblatts sitzen. Quasi ein personalisierter Katalog.

Am Ausgang erhalte ich meinen ersehnten Katalog, den ich, zuhause auf der Couch angekommen, bei einem Kaffee gemütlich durchblättere. Von den DIY-Stationen bringe ich neue Kissenhüllen mit. Eine davon ist versehen mit Stempelmotiven, die andere aus einem der neuen Stoffe genäht. Das Fotobooth-Bild durfte ich mitnehmen und ziert nun meine Pinnwand. Ein schöner Ausflug mit ganz viel Input!

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